Träges Gedankenchaos

Ich hatte Urlaub. Den ersten richtigen Urlaub seit irgendwann mitten im Lockdown. Also so mit mehr als eine Woche und Meer und vergessen, welcher Wochentag gerade ist. Diese Zeiten sind wertvoll und selten und es sind die Zeiten, in denen innerlich wieder Ressourcen frei werden, die sich meistens den Traumathemen zuwenden. Da gab es so vieles, das ich gerne hätte aufschreiben wollen aber trotz dieser digitalisierten Zeit, in der wir leben, schaffe ich das irgendwie nie und dann sitze ich hier am Schreibtisch und starre auf den weiß leuchtenden Bildschirm und schreibe immer nur dasselbe. Meistens kommen die Gedanken und Gefühle an ungünstigen Orten oder zu unpassenden Zeiten, unter der Dusche, mitten in der Nacht oder in der Bucht tümpelnd. Sie sind dann so überwältigend, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, ein paar Tage später nicht mehr darauf zugreifen zu können. Doch so ist es, immer und immer wieder.

Vielleicht ist auch das ein Zeichen unserer verrückt schnelllebigen Zeit und der Überstimulation unserer Gehirne. Es passieren immer so viele Dinge gleichzeitig, dass alles nur für den Moment präsent sein kann. Trotzdem bedeutet das nicht, dass die Themen keine Schatten werfen. Die Schatten sind immer da und malen das Bild mit, das wir von der Welt sehen. Aktuell fühlt sich die Welt für mich wie der letzte Teil einer der großen Filmserien an. Die Rückkehr des Königs, die Heiligtümer des Todes. Nach Düsternis und Stürmen, die ihren Weg sogar ans Sommermeer finden. Und ich frage mich ob da irgendwo ein Ringträger herumläuft oder einer auserwählt ist, die großen Schatten, die auch die anderen sehen können, wieder in ihr Reich zu verbannen.

11 Antworten zu „Träges Gedankenchaos”.

  1. Avatar von wolkenbeobachterin

    du schreibst sehr schön und fotografierst sehr schön. eben dachte ich: wenn du ein buch machen würdest, mit diesen kleinen wunderbaren texten, unterbrochen von diesen wunderbaren fotos, das buch würde ich kaufen und lesen. schönen abend dir und liebe grüße aus b.

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    1. Avatar von Sophie Ofühl

      Ach meine Liebe, ich war von diesem Kommentar so gerührt, ich trage ihn immer bei mir. Das ist so schön zu lesen ❤ ich würde das übrigens gerne, ich hatte sogar mal damit begonnen, aber nach sooo vielen Stunden Arbeit ist dieses Projekt dann in der Software „abgestürzt“ und ich hatte nie wieder die Muße, mich nochmal dran zu setzen…

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      1. Avatar von wolkenbeobachterin

        sehr gerne. schreibe es auf einen zettel, hänge diesen zettel an den kühlschrank und irgendwann machst du es einfach. 🙂 ❤

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  2. Avatar von alleaugenblicke.de

    Ich teile mit dir das Gefühl, dass die besten Texte immer dann kommen, wenn gerade kein „Stift“ bereitliegt: Dann passen Stimmung, Worte, Text so gut und stark zusammen, und ich denke, ich rette sie an meinen Schreibtisch. Doch dort ist dann alles so gut wie weg. Es hängen noch Fetzen irgendwo im Raum, doch ergeben sie nie mehr die Dichte.

    Ist das ein Zeichen unserer Welt? Ein Zeichen für „zu schnell“, „zu viel“? Ein Ergebnis der Jagd nach immer neuen Nachrichten. Eine Jagd, in der wir uns tummeln und niemals ankommen?

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    1. Avatar von Sophie Ofühl

      Vielleicht ist es das.. es ist glaube ich auch ein Zeichen der Dringlichkeit von allem, denn nichts wäre doch möchte man glauben einfacher als in dem Moment ein paar Minuten innezuhalten, sich Stift und Papier oder ein digitales Notizbuch aus der Tasche zu ziehen und zu schreiben (mal abgesehen von der Dusche). Selbst im Auto könnte man die Worte vielleicht aufnehmen. Aber irgendwie ist es dann doch so, dass man (ich) diesen Dingen oft nicht die Priorität einräumt (nicht immer, weil man es grade wirklich nicht KANN) und vielleicht damit auch zeigt, dass man sich selbst nicht so ernst nimmt und den Raum gibt, wie man vielleicht manchmal sollte?

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  3. Avatar von alleaugenblicke.de

    Ich kenne es nur zu gut, dieses Gefühl einen Gedanken zu einem Text formuliert, aber eben keinen „Stift“ dabei zu haben: Später am Schreibtisch ist er dann weg, hat sich in Luft aufgelöst oder hängt nur noch in Fetzen im Raum. Wie wichtig er auch immer gewesen sein mag: Er bleibt verschwunden.

    Ist es die Fülle der Themen und/oder ihre Schnelllebigkeit, die das treibt und uns erschlägt? Vielleicht.

    Liebe Grüße,

    Werner

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  4. Avatar von Mitzi Irsaj

    Da hatten wir wohl gleichzeitig einen „echten“ Urlaub. Wie schön beschrieben…einen wo man die Wochentage vergisst…ja, wenn es sich so anfühlt, dann kann man abschalten und sich treiben lassen.

    Und doch ging es mir auch hier wie dir….Da gab es so vieles, das ich gerne hätte aufschreiben wollen….und ich habe nichts (fast nichts) aufgeschrieben und am Ende doch einfach meistens nur aufs Meer geschaut. Das wäre nicht schlecht, vielleicht sogar gut, aber so geht es mir momentan auch Zuhause.

    Liebe Grüße zu dir

    Mitzi

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    1. Avatar von Sophie Ofühl

      Oh wirklich? Das ist ja lustig 🙂

      Und ja, wer weiß. Vielleicht ist es auch gut, es mal sein zu lassen und nur das Wasser anzuschauen. Aber auf der anderen Seite ist es bei mir eine Trägheit, die ich mir selbst entgegen bringe, die glaube ich nicht so gut ist für mich – am Ende des Tages.

      Alles Liebe auch für dich ❤

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      1. Avatar von Mitzi Irsaj

        Ja ich weiß was du meinst. Es gibt diese schöne Trägheit, die sehr willkommen ist und mit Entspannung gleichzusetzen ist. Und dann aber auch wieder die von dir Beschriebene.
        💚

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      2. Avatar von Sophie Ofühl

        Ja, das sind zwei sehr verschiedene Gefühle die man unter dem selben Begriff zusammenfasst…

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