In einem anderen Netzwerk schrieb ich darüber, dass es mir schwer fällt, mich neuen Menschen in aller Kürze vorzustellen und dabei weder einen Seelenstriptease zu vollführen noch das Gefühl zu haben, nicht einmal ansatzweise etwas Wahres über mich zu erzählen.

Als die neue Ausbildung startete, starteten auch die Vorstellungsrunden. Die Vortragenden wollten uns kennenlernen und so ging es reihum wie auch zwei Jahre zuvor am neuen Arbeitsplatz „Hallo, ich heiße sowieso, habe diesen und jenen Beziehungsstatus, diese und jene Vorbildung, so und so viel Kinder, wohne da und dort und arbeite in diesem und jenem Bereich.“ Soweit, so unverfänglich. Zumindest für die anderen in dieser Gruppe, wie es schien. Ich bin halt auch die, in der sich alles gegen „Geht gut, danke.“ sträubt, das den meisten von uns fast tagtäglich abverlangt wird, wenn innerlich der Orkan des Wahnsinns tobt. Und während die x-te Person ihre Lebenseckdaten herunterratterte, wollte mein Mund eigentlich nur sagen „Hallo, ich bin Sophie und ich habe eine PTBS.“

Diesmal konnte ich das, was mir zu sagen auf der Zunge lag, zumindest benennen. Als ich das letzte Mal ständig in dieser Situation festhing, war da noch Chaos. Ich habe mich letzten Endes mit mir selbst auf einen Kompromiss geeinigt, der denjenigen, die es erspüren wollten, einen Hinweis gab, dass mein Leben nicht so geradlinig verlaufen war, ohne mich uneingeladen ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu stellen, wo ich eigentlich nicht hin wollte, schon gar nicht damit, aber „du musst immer alles erzählen“ brennt noch immer in jeder Zelle und alles andere ist Lüge. „Das ist es nicht“, beruhigt mein erwachsenes Ich mein aufgebrachtes Inneres Kind und die Kapitänin meines Uboots wäre vermutlich ein bisschen stolz auf mich.

Gerade in diesen Momenten wird mir bewusst, wie sehr mich all diese Teile meines Lebens definiert haben und im Vordergrund meiner Wahrnehmung stehen. „Ich habe den Kontakt zu meinen Eltern abgebrochen“ ist gewissermaßen tagesfüllend, mehr noch als mein Arbeitsleben, meine fünf Haustiere, meine zwei Studien oder was mich vielleicht sonst ausmachen könnte.

Warum es manchmal so wichtig für mich ist, das auch Menschen zu wissen zu lassen, die nicht zum engsten Kreis gehören, fragte die, mit der ich viele Jahre über all das gesprochen habe. Weil ich mir so sehr wünsche, dass sie sehen, wie schwer es war, da hin zu kommen, wo ich bin. Von wo aus ich los gegangen bin. Was es mich gekostet hat. Was meinen Sie?, fragt sie. Normal zu sein, sage ich. Ein normales Leben zu haben. Überlebt zu haben, sagt sie. Ja, sage ich.



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