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Mutmoment (7) – Wo ist der Mut geblieben?

Ich war also bisher mäßig konsequent mit meinem Vorsatz, mir jeden Sonntag Zeit zum Schreiben zu nehmen. Mehr als die Hälfte der Sonntage des bisherigen Jahres habe ich erfolgreich verpasst. Mein innerer Monk schnappatmet, aber ich habe meine Rechtfertigungen, die ich ihm mantraartig immer wieder erzähle. Erst war ich krank – laut Tests negativ, dennoch hat es mich 10 Tage (darunter zwei Sonntage) ausgeknockt. Und dann kam Putin. Ich selbst hing irgendwo fest zwischen der klammernden Winterdepression und dem Drang des Draußens vom anklopfenden Frühling. Also tat ich etwas, das ich sonst selten tue: ich gab meiner wortlosen Apathie nach und ließ mich durch die Zeit treiben, in der Hoffnung, dass die längeren, lichteren Tage die Worte wieder zu mir bringen würden.

Ob sie das tun versuche ich nun herauszufinden. Der Kopf ist in den letzten Wochen wacher geworden, der metaphorische Ring ist in Bruchtal erstmal sicher und ich versuche, mich von der Begegnung mit den Ringgeistern zu erholen. Es waren meine Mutmomente: mich einfach sein zu lassen, dem Bedürfnis, lethargisch zu sein nachzugeben, ohne gleich in der Angst zu versinken, nie wieder aus dem Sumpf der Trägheit herauszufinden.

Wenn im eigenen emotionalen Leben weit und breit vor allem abgebrannte Erde sichtbar ist und die Welt draußen in Flammen steht, gibt es oft nicht viel zu sagen, weil der Geist damit befasst ist, einen Tag nach dem anderen zu überleben.

„Ich habe den Eindruck, Sie können Ihre Anspannung auch in diesem sicheren Raum nicht loslassen.“

I’m still standing better than I ever did
Looking like a true survivor, feeling like a little kid
I’m still standing after all this time
Picking up the pieces of my life without you on my mind

Elton John

Meine Anspannung, die sich im ersten Moment als metallenes Skelett manifestiert und die sich im weiteren Verlauf in eine silbern schimmernde Rüstung verwandelt. Meine Anspannung, die ich immer trage, wie Frodo sein Hemd aus Mithril und die mir gleichermaßen vermutlich schon öfter das Leben gerettet hat. Meine Anspannung, die ich nur in absoluten Ausnahmefällen loslasse, im Yogakeller von Köln Nippes zum Beispiel oder in der Nacht vor ihrem Geburtstag. Denn wenn ich sie ablege, laufe ich Gefahr, mich aufzulösen, in einem salzigen See aus Tränen. Also trage ich sie, auch wenn sie mich träge macht. Denn mit ihr stehe ich morgens auf, mit ihr gehe ich zur Arbeit, mit ihr funktioniere ich. Sie ist ein Hologramm von jemandem, der ich mal war, eine Projektion meiner Erinnerung, während ich innen drinnen nach der suche, die ich eines Tages sein kann, sein will.

„Wer Wind sät, wird Sturm ernten.“

Unbekannt

Dieses geflügelte Wort kam mitte März zu mir und ist seither bei mir geblieben. Es ist ein einfaches Gesetz und es ist gerade an so vielen Punkten der Welt sichtbar.

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