Alle Jahre wieder, wenn es in die letzten Wochen geht, zieht es mich zum Blog und zum Schreiben. So habe ich diese Woche zum ersten Mal seit einem halben Jahr meinen Papierkalender wieder befüllt und die Worte sind nur so aus meiner Hand geflossen. Immer wenn das passiert, merke ich, dass das Reflektieren eine beruhigende Wirkung auf mich hat, im Kleinen wie im Großen und immer wieder frage ich mich, wieso ich das immer nur zu den Randzeiten schaffe. Ich finde keine Antwort darauf.

Ich habe schon einen Post abgespeichert mit der Überschrift meiner vier Jahresworte, der nur darauf wartet, geschrieben zu werden – aber dafür ist es dann doch noch ein wenig früh, oder zumindest muss zuerst dieser Text geschrieben werden. Das Zwischenfazit ist in diesem Jahr ausgefallen, ich glaube, ich war mit dem Strudel der Realität beschäftigt.

Und schon wieder wollte ich den Absatz beginnen mit „2025 war…“, aber nein, noch nicht! Die letzten Monate waren intensiv, auf vielen Ebenen. Das ist mein Leben irgendwie immer, das hat wohl mit den Traumafolgehirnsynapsen zu tun, aber es gibt intensiv und intensiv und das war das intensiv der zweiten Sorte, weil es oft emotional intensiv war. Die Unsicherheit, wie mein Alltag sich ab August gestalten würde, die beiden Todesfälle und Begräbnisse, dieser eine große Herzenswunsch, der für einige Zeit wahr geworden ist und dann auch wieder der Abschied davon. Das Leben fand in diesem Jahr in den Höhen und Tiefen statt und außerdem mit viel Zeit, die ich mit der Musik verbracht habe, die mir so viel bedeutet. Das hat noch einmal tiefere Schichten freigelegt und mir Erkenntnisse beschert, wo ich dachte, dass schon alles offen gelegt wäre. Daraus entstand viel Klarheit aber auch viel offener Schmerz über etwas in mir, das wahrscheinlich nie (ganz) heilen wird. Aus der Perspektive, in der ich endlich manches verstanden habe, nach dem ich in den letzten Jahren so tief gegraben habe, habe ich mich auf den Pfad der Retrospektive begeben und dort Worte gefunden, die ich mir noch einmal in die Gegenwart holen wollte.
Bevor wir nach Amsterdam fahren, müssen wir einen Abstecher an den Strand machen, man kann nicht in einem Ort am Meer sein, ohne den Wellen Hallo zu sagen. Die Anspannung ist weg, wir sind da, es ist so schön, dieses Ich zu sein, das so etwas macht, die Zeit überwunden zu haben, in der das nie möglich gewesen wäre und das ist alles, worum es hier eigentlich geht. Meine vier Worte seit 2017, Gelassenheit, Mut, Inspiration und Selbstvertrauen haben mich an diesem 2. Februar dorthin geführt, das Leben, das ich lebe, zu meinem eigenen zu machen.
Ein paar Wochen zuvor hatte ich noch diese Zeilen geschrieben:
Gerade ist Platz für alle Träume, Ideen und Möglichkeiten, denn heute glauben wir daran, dass wir genau da sind wo wir sein müssen – und Mister Mind schweigt.

Zwischen Sommer 2019 und Frühling 2020 hat der größte Umbruch meines Lebens seinen Anfang gefunden. Die Bauarbeiten dauern bis heute an und ich bin nicht sicher, ob sie jemals abgeschlossen sein werden. Ich habe mir damit vieles erlaubt und ermöglicht, aber es hat mich immens viel gekostet. All das Weiche und Sanfte, das ich in diesen Monaten wiedergefunden hatte, musste ich nur ein Jahr später in einen Tresor sperren, zehntausend Meilen unter dem Meer und die Kombination des Schlosses zu vergessen um den Weg aus- und durchzuhalten, den ich zu gehen hatte. Ich wusste nicht, ob ich je im Stande sein würde, mich zu erinnern und dieses Risiko einzugehen war vielleicht wirklich die schwerste Entscheidung, die ich je getroffen habe. In den letzten sechs Monaten hat die eine Stimme wieder geschafft, den Tresor an die Oberfläche zu befördern und für kurze Momente die Kombination in meiner Erinnerung aufleuchten und das Leben darin fühlen zu lassen. Seitdem – sobald wieder Distanz zu dem Moment entsteht – versuche ich die Tür offenzuhalten, um dem Innen mehr Luft zum Atmen zu verschaffen und mehr Raum, sich auszubreiten, doch im Alltag brauche ich meine Hände auch für andere Dinge und sie fällt jedes Mal wieder zu. Das macht mich wütend und traurig, weil ich eigentlich dorthin zurück will, in das Schneckenhaus in dem es nichts gibt außer mich und die Schallwellen die mich in alle Gefühle tragen, die gefühlt werden wollen.




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