Die Headline habe ich mir geborgt von Thees Uhlmann, und nachdem der letzte Post eine Hommage an Kettcar war, schien mir das gelegen zu kommen. Vielleicht ist es auch ein gutes Zeichen, dass wieder Lyrics auftauchen, denn richtig schlimm ist es immer dann, wenn es keine Musik gibt in meinem Kopf und insgesamt war es schon sehr still in den letzten Monaten.


Dann jährte sich der 2. November im Anschluss an eine Doppelstunde, in der ein hässlicher blinder Fleck eine Brille aufgesetzt bekommen hatte und es entstanden ein gedanklicher Brief an ihn und eine gewünschte Offenbarung, die ich dann beide doch abzuschicken unterließ, weil manches getippt, aber nicht geteilt werden muss.


Seit kurzem ziehen wieder orkanartige Wirbelsturmgedanken durch meinen Kopf, die meinen Puls beschleunigen und mich atemlos werden und dann völlig erschöpft zurücklassen. Wie ein Duracell Hase denke ich dann durch meine Kopfnotizen und scrolle durch meine Smartphonebilder und versuche, sie miteinander in Einklang zu bringen, damit ein paar Chakren weiter unten ein Gefühl ankommt, das Sinn macht. Ich habe tausend Punkte, an denen ich beginnen möchte, denn irgendwo dazwischen baut sich seit langem wieder ein Stau auf der alles blockiert und auch die Chemie aus meinem Leben zu verbannen hat den Damm nicht gebrochen. Es ist keine Zeit da, keine Energie, keine Ruhe um auch nur einen davon weiter zu verfolgen. Vor allem, weil ich mich nicht entscheiden kann für den wichtigsten weil sie alle wichtig sind und dann verfolge ich keinen und sie liegen brach mit spitzen Kanten, die von innen kleine fiktive Wunden in meine Schleimhäute ritzen.


Immer wenn ich Bilder von ihr sehe ist das warme Gefühl im Solarplexus einem heißen Brennen gewichen, das ein bisschen wehtut und trockene Tränen in meine Augen treibt. Etwas fehlt. Etwas ist nicht. Nicht mehr vielleicht oder noch nicht, ich weiß es nicht. Aber es ist eine Leere. Ein Mangel – ein Wort, das in einem Traum aufgetaucht ist. Eine Lücke, ein Loch, eine Frage ohne Aussicht auf Antwort, eine Wunde, die nicht heilen will, weil es dafür keine verbände, Pflaster, Schienen oder Gipse gibt.



Es ist Vakuum, Phantomschmerz, etwas, das gar nicht wehtun kann weil es gar nicht (mehr) da ist. Eine verhärtete Narbe, die sich bei jedem Wetterumschwung bemerkbar macht oder wenn jemand das Wort „Familie“ mit dieser leisen Wärme ausspricht, die eine gewisse Selbstverständlichkeit enthält. Es ist der uneindeutige Verlust den man erlebt, wenn man etwas verliert, das noch da ist, nur nicht mehr für einen selbst.

Aber ich will auch glauben, dass dieser radikale Riss im Boden meiner Tatsachen genügend Schutt und Asche produziert hat, um auf den beinahe unkenntlichen, alten Grundmauern wieder zu bauen. Denn das tue ich seit vier Jahren. Ich sortiere die Reste in „kaputt“ und „kaputt, aber reparabel“ und setze sie neu zusammen. Durch die Löcher hindurch kann man sehen, dass die Teile zuvor schon verwendet worden waren und andere Räume begrenzt hatten. Ich bin oft müde, aber ich habe weniger Angst. Der Zement muss nicht so hart sein, denn ich weiß, dass manche Mauern gebaut werden, nur um später wieder eingerissen zu werden. Angst habe ich nur, mich im Staub zu verlieren, alleine zwischen meinen löchrigen Wänden, weil ich kein Materiel für Stufen finde, während die sauberen Kartenhäuser aller anderen mich bereits um Stockwerke überragen.



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