Triggerwarnung: sexuelle Gewalt.
So viele Jahre gab es diese Geschichte in meinem Leben, eine von den mehr oder minder harmlos-unguten Filmriss-Geschichten. Oft in Erzählungen gestreift, immer ein wenig selbst verwundert, immer sehr abgekoppelt von Empfindungen, aus den Fragmenten gebastelt.
Warum die Fragmente auf einmal nicht mehr passten kann ich nicht sagen. Es war auf einmal die Erinnerung an ein Gefühl da und ich wusste, dass die Geschichte so nicht richtig war.

Ich erhielt eine Nachricht in dieser Nacht, es war spät, gegen 2 Uhr. „Ich vermisse dich.“ sie war von ihm, von über dem Ozean und es war das, worauf ich seit bald einem Jahr so sehr wartete und hoffte. Ich war da mit einem anderen, jemandem, der etwas in mir berührte, jemand, mit dem irgendwie etwas nicht stimmte, zumindest nicht mit mir. Ich las die Nachricht, nicht mehr ganz nüchtern, die Zeilen verschwammen und ich schüttete erstmal zwei Spritzer hinterher. Volltrunken voll Herz- und Seelenschmerz und Wein torkelte ich benommen Richtung Damentoilette. Meiner Freundin, mit der ich in dieser Nacht unterwegs war, gab ich zu verstehen, wohin ich ging. Ich wollte nicht pinkeln, ich wollte anderes Wasser loslassen. Mein Herz krampfte und die Tränen wollten nicht in Gesellschaft geweint werden. Also schleppte ich mich durch die Disco und meine Erinnerung schwindet, es wird dunkel, die Minuten rauschen unerkannt vorbei, nur manche Momente blitzen auf wie stumme Bilder auf der Leinwand, denen ein dumpfer Moll-Ton nachhallt.
Ich bin in einer Kabine, sitze angezogen auf der Toilette und das Salzwasser aus meinen Augen rinnt in Sturzbächen über mein Gesicht, während ich das Schluchzen unterdrücke weil ich nicht will, dass mich jemand hört. Es klopft. Wtf? Ich ignoriere es. Es klopft länger, stärker, die anderen, die anstehen, werden ungehalten. Er hat sich offenbar durch die Schlange gedrängt, ich lasse ihn rein, C2 wie ich ihn in den Erzählungen nenne. Er ist (denke ich) nüchterner als ich, ich kann mir schwer vorstellen, dass er meine Lage nicht erfasst. Ich weine und mir tut vor Liebeskummer alles weh, ich möchte alleine sein oder Trost, umarmt werden, gehalten werden. Ich versuche ihm verständlich zu machen, dass er wieder gehen soll, aber ich kann nicht, zu betrunken, aber vor allem: zu erschöpft. Ich kann kaum noch stehen, kippe ständig irgendwo an eine der nahen Wände. Ich glaube mich zu erinnern, dass er deswegen ungehalten ist. Offenbar zieht er meine Hose aus. Ich kann mich nicht wehren, weil mir mein Körper nicht gehorcht und meine Stimme sowieso nicht. Ich kippe ständig irgendwie um in dem kleinen Raum. Er will dennoch haben, wofür er vermutlich heute hergekommen ist, mitten in der Nacht, quer durch die Stadt. Er versucht es sich zu holen. Ich glaube, er gibt auf, vermutlich, weil ich kaum zu steuern und schwer zu halten bin. Er verschwindet, ich höre nie wieder von ihm.
Meine nächste Erinnerung ist die, wie ich mit verdreht angezogener Hose wieder bei meiner Freundin im großen Raum stehe. Sie antizipiert die Lage, anscheinend war ich lange weg, sie ist sauer. Ich erinnere mich zu diesem Zeitpunkt an nichts und die Geschichte erhält ihren Rahmen.
Doch heute weiß ich: es war anders.




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