Wie kann in einem Leben, in dem eigentlich gar nichts passiert, dennoch so viel passieren? Wie können andere all das, was tagtäglich mit ihnen passiert, erfassen, sich befassen, wieder loslassen?

Ich habe in den letzten Monaten in Zeitlupe zu einem Sprung angesetzt, einem Sprung über das Meer zwischen mir und meiner Vergangenheit. Und irgendwann tat ich ihn. Ich landete, ich stolperte weiter und ich scheine es irgendwie gar nicht recht bemerkt zu haben. Vielleicht weil der Sprung selbst nur so kurz dauerte, vielleicht aber auch, weil ich so ellenslang in der Luft hing, in einem Vakuum ohne Raum und Zeit, denn die waren draußen geblieben. Draußen, irgendwo, an einem Ort, an dem ich nicht war.





Langsam scheint die Sanduhr meines Lebens wieder in Gang zu kommen, gelegentlich fühle ich mich (wieder), als wäre ich Teil von etwas, das auch andere tun. Leben nennt man das, glaube ich. Aufstehen, anvertraute Leben versorgen, Erwerbsarbeit leisten, Bewegtbilder konsumieren, Daumenscrollen, essen, Geld vernichten, CO² produzieren, Kaffee trinken, Beziehungen leben, schlafen. An sich tat ich das immer, ich konnte es nur nicht spüren. Autopilot, Überlebensmodus, „high functional personality“ did it. Irgendwie abrupt scheine ich jetzt das Steuer wieder zu übernehmen. Doch was war dazwischen? Ich weiß, ich war dabei, aber ich fühle es nicht. Es ist wie ein monatelanger emotionaler Filmriss bei dem sich zumindest der Walk of Shame in Grenzen hält, immerhin.








Es ist Zeit, denke ich mir. Es ist so sehr an der Zeit und ich hoffe, ich kann es. Wieder ohne Chemie leben. Wieder lernen, mir selbst gut zu tun. Wieder wagen zu fühlen. Mich selbst zu spüren. Körper und Seele wieder verbinden. Der Wahrheit ins Auge sehen und annehmen, was ich mir selbst angetan habe, um auszuhalten, um die Kraft zu finden zu gehen, zu überleben, um durchzuhalten, um überhaupt erst springen zu können. Vieles davon ist unsichtbar – fünfundzwanzig Kilo sind es nicht.



Und so stehe ich nun wieder am Anfang, obwohl ich doch schon irgendwo ganz in der Mitte bin. Aber immerhin stehe ich da nicht alleine. Der grobe Schutt von allem, das von damals noch in Asche liegt, ist zur Seite geräumt. Es staubt immer wieder von der Seite auf das neue Fundament, aber das passiert schonmal, wenn man die nächste Schicht der eigenen Stadt des Lebens baut.

















Ich glaube, ich bin (ein bisschen) frei.





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