Remember, you are one!

An meinem vierten Tag mit Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen aus der Hölle, als ich mich für die nötigste kleine Morgenrunde mit dem Hund aus dem Haus quälte, sah ich in meinem Schmerzdelir auf einmal ein unschöne Szene vor mir aufziehen: Demi Moores hexenhaft ausgemergelten Finger in The Substance, weil ihre better version Sue sich nicht an die eine wichtigste Regel der „Substance“ gehalten hatte. Mehr Spoiler will ich hier nicht liefern, falls irgendjemand auf den irren Gedanken kommt, sich diesen Film anzuschauen (ich würde es nicht empfehlen, aber das ist ein anderes Thema). Dieser Finger und der Grund, warum er so aussah wie er aussah, erinnerten mich unangenehm an die Situation, in der ich mich gerade befinde und auf einmal fühlte ich unangenehm viele Parallelen zwischen der Storyline (bis zu 2/3 des Films gab es die nämlich und sie war nichtmal schlecht) und meinem Umgang mit mir selbst.

Ich habe ja schon öfter über mein Problem geschrieben, meinen Körper gewissermaßen in meiner Wahrnehmung von mir abzuspalten. Das habe ich schon früher gemacht, als er in meinen 20ern zum ersten Mal so laut um Hilfe gerufen hatte, dass ich ihn anders nicht mehr überhören konnte. Mein Körper war eine eigene Entität geworden, die unzuverlässig war, die sich gegen mich und meine Interessen stellte, mir in die Quere kam, nicht mit mir an einem Strang zog. Dann passierten all die viel besprochenen Dinge und mein Körper wurde wieder in meine Ich-Wahrnehmung eingegliedert und ich konnte vielleicht zum ersten Mal in meinem Leben gut und gesund mit mir als ganzheitliche Person umgehen. Doch leider lebten wir nicht glücklich bis ans Ende meiner Tage, denn dann passierte der große Bruch, das #ausgründen Zurückfallen in alte Muster und here we are now. Mein „Ich“ (mein Geist, meine Seele whatsoever it really is) und mein Körper existieren in zwei völlig voneinander getrennten Galaxien und ich beginne erst jetzt mehr und mehr zu fühlen, dass das weder normal noch gesund noch vernünftig ist.

An diesem vierten Tag, schwindelig von irgendeinem fiesen Viren/Bakteriengemisch nahm ich zum ersten Mal wahr, dass die Wut, die ich seit drei Jahren (wieder) auf meine physische Erscheinung projiziere, dort überhaupt nicht hingehört. „Remember, you are one“ heißt es in dem Film. Wenn du ein Ungleichgewicht erschaffst, hat das Konsequenzen. Wenn eine/r sich zu viel nimmt, hat der/die andere weniger. Wenn Sue Elizabeth nach 7 Tagen nicht wieder aufweckt, altert Elizabeth in x-facher Geschwindigkeit. Wenn ich es nicht schaffe meinen Energiehaushalte zu managen und mich ständig über meine Grenzen pushe, dann legt mich meine Physis irgendwann lahm.

Leider weiß ich aktuell nicht wo ansetzen, denn wenn ich es wüsste, könnte ich es ja tun. Ich halte mich mit der Aussicht auf eine Stundenumschichtung ab nächstem Sommer seit nunmehr über einem Jahr irgendwie über Wasser. Vielleicht ist es jedoch ein Anfang, Wut und Frustration zumindest dorthin zu leiten wo sie hin gehören und nicht auf oder gegen mich. Mein Körper hat sich nicht „ausgesucht“, weniger belastbar zu sein als der von Menschen ohne Traumaerfahrung. Vielleicht ist es nächster Schritt, zuzulassen, dass ich ihn wieder spüren kann – nicht nur dann, wenn er mir Schmerzen sendet und mir das Funktionieren verweigert. Auch wenn er mir nicht gefällt, wie er ist. Auch wenn ich ihn in seiner Unzulänglichkeit so schwer annehmen kann. Aber ich glaube, ihn wieder in mein „Ich“ zu integrieren ist auch der Schlüssel, meine eigenen Gefühle wieder zu finden. Denn was eine/r verbraucht hat, ist unwiderbringlich verloren.

2 Antworten zu „Remember, you are one!”.

  1. Avatar von connyx

    Keine Worte passen und doch wäre da so viel zu schreiben….

    #drück

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